Klavier
Ein Klavier ist ein Instrument, beim dem die Tonerzeugung durch kleine Hämmerchen geschieht, die durch den Tastenmechanismus gegen aufgespannte Saiten geschleudert werden, die dadurch zu schwingen beginnen. Über einen speziellen Mechanismus (Repetitionsmechanismus) werden diese Hämmerchen nach dem Anschlag wieder in ihre Ausgangslage zurückgezogen, damit auf dem Klavier der nächste Ton erklingen kann. Sobald eine Taste angeschlagen wird, heben sich außerdem kleine, über die Mechanik gesteuerte Dämpfer von der jeweiligen Saite und verharren in dieser Stellung bis die gedrückte Taste wieder losgelassen wird. Diese Dämpfer sind notwendig um Resonanzschwingungen benachbarter Saiten zu verringern und nur die gewünschte Saite zum Klingen zu bewegen. Neben dem bekannten Wort Klavier wird in Musikerkreisen auch häufig die ältere, aus dem Italienischen stammende Bezeichnung Pianoforte bzw. Piano verwendet.
Der Begriff Klavier ist mehr oder weniger ein Oberbegriff für viele verschiedene Bauformen ein und desselben Musikinstruments. Die beiden bekanntesten dieser Bauformen sind der Flügel sowie das Pianino, wobei umgangssprachlich eigentlich nur zwischen Flügel und Klavier unterschieden wird. Während beim Flügel die Saiten waagerecht hinter der Klaviatur angebracht sind und die Hämmerchen von unten gegen die Saiten schlagen, sind beim Pianino die Saiten platzsparend senkrecht hinter der Klaviatur angebracht. Daher gibt es für diese Klaviere auch die Bezeichnung upright piano bzw. vertical piano.
Normalerweise besitzen Klaviere 88 Tasten, 52 weiße für die Stammtönen C-H sowie 36 schwarze für die zugehörigen Halbtöne. Der Tonumfang handelsüblicher Flügel und Klaviere reicht damit über mehr als 7 Oktaven von A'' bis c'''''. Obwohl es einige Ausnahmen gibt, orientieren sich selbst digitale Pianos an dieser Größenordnung. Beim Klavier werden die Töne bis auf unteren beiden Oktaven nicht von einer einzelnen, sondern von zwei oder mehr gleich gestimmten und gleichzeitig angeschlagenen Saiten erzeugt. Dies sollte ursprünglich dazu dienen, die Lautstärke des Klaviers zu erhöhen. Mittlerweile bilden die Saitenbündel bzw. Saitenchöre allerdings die Grundlage für den charakteristischen und unverwechselbaren Klang des Klaviers.
Die meisten Klaviere besitzen neben den schwarzen und weißen Tasten außerdem mindestens 2 Pedale (einige sogar 3). Über diese Hebel, die mit den Füßen bedient werden, lässt sich die Klangfarbe des Instruments verändern und macht das Spiel abwechslungsreicher. Das bekannteste und selbst bei Digitalpianos manchmal mitgelieferte Pedal ist das Fortepedal. Es ist rechts angebracht und sorgt dafür, dass einmal angeschlagene Töne selbst nach dem Loslassen der Taste noch eine Weile weiterklingen. Technisch wird das dadurch realisiert, dass die Dämpfer für alle Saiten abgehoben werden und die einmal angeschlagene Saite ungedämpft erklingen kann (deshalb wird dieses Pedal manchmal auch Dämpfungsaufhebung genannt und in den Klaviernoten mit senza sordini, also ohne Dämpfer bezeichnet). Da häufig benachbarte Saiten mitschwingen erhält das Klavier dadurch außerdem einen volleren Gesamtklang. Links am Klavier angebracht ist das so genannte Pianopedal, welches bei besonders leisen Stellen zum Einsatz kommt. Wird dieses Pedal beim Klavier betätigt, bewegt sich die gesamte Klaviermechanik näher zu den Saiten hin, so dass die Wucht, mit der die Hämmerchen beim Anschlagen auf die Saiten treffen, deutlich geringer ist als zuvor. Beim Flügel ist die Funktionsweise etwas anders, hier wird die Mechanik seitwärts verschoben, so dass von den drei für einen Ton verantwortlichen Saiten nur noch eine oder zwei angeschlagen werden. Der Effekt ist jedoch ähnlich, obwohl sich zusätzlich zur Lautstärke noch die Klangfarbe deutlich verändert. Manche Klaviere haben außerdem noch ein weiteres, in der Mitte angebrachtes Pedal. Dieses kann je nach Bauart unterschiedliche Funktionen haben. Bei modernen Konzertflügeln handelt es sich normalerweise um ein Tonhaltepedal bzw. Sostenuto-Pedal. Damit lassen sich die Dämpfer einzelner Saiten im gehobenen Zustand halten und somit einzelne Töne bzw. Klänge noch eine Weile halten, während die restlichen Dämpfer und Saiten bereits wieder ganz normal auf den Anschlag des Klavierspielers reagieren.
